HILFE - Ein Gewitter ist im Anmarsch! Die besten Tipps, wie man Hunde mit Gewitterangst unterstützen kann

Es donnert und blitzt - derzeit kommt es wieder häufig zu Gewittern und viele Hunde haben dabei große Angst.

Die Anzeichen der Angst können dabei sehr vielschichtig sein:

Nervosität, Unruhe, Erstarren, geduckte oder angespannte Körperhaltung, Zitternstarkes Hecheln, weit geöffnete Augen, Speicheln, erhöhte Pulsfre-quenz, häufiger Harn- bzw. Kotabsatz, Bellen, Knurren, ... , bis hin zu Fluchttendenzen.

Haben eure Hunde auch Angst bei Gewitter?

Nachfolgend möchten wir Euch einige hilfreiche und vor allem zeitgemäße Tipps geben, wie ihr euren Hunden bei Gewitterangst am besten helfen und wie ihr sie unterstützen könnt.

 

 

Social Support und Kuschelhormone

Ganz wichtig ist, dass man seinen Hund nicht in bzw. mit seiner Angst ignoriert, so wie es früher oft fälschlicherweise geraten wurde. Steht stattdessen eurem Hund bei! 

Dies nennt man auch "Social Support" - auf Deutsch: soziale Unterstützung - welches ein normales und kooperatives Verhalten im Zusammenleben von Gruppen (bei Menschen und vielen Tieren) ist. Beim "Social Support" helfen sich Gruppenmitglieder einander in stressenden Situationen durch Zuwendung und körperliche Nähe- sie stehen sich also gegenseitig bei!

Deshalb kann man seinem Hund durch das Anbieten von Nähe, Körperkontakt, sanfte und entspannende Streicheleinheiten, Trost, beruhigende Worte oder auch etwas Leckeres zum Kauen (was zusätzlich eine beruhigende Wirkung hat und dem Hund auch als Ablenkung dient) in einer angstauslösenden Situation helfen und ihm beistehen.

Emotionen wie Angst kann man durch positive Zuwendung/Interaktion oder auch durch Leckerlis nämlich NICHT verstärken! Oder würde eure Angst z. B. beim Anblick vor einer Spinne etwa durch beruhigende Worte von eurer Partnerin/eurem Partner oder womöglich durch die von ihr/ ihm gereichte Schoki schlimmer werden? Eben!

 

Man hat zudem nachgewiesen, dass bei Hunden Blick- und Körperkontakte mit ihren Bezugs-personen/Bindungspartnern die Ausschüttung des sogenannten Kuschelhormons Oxytocin auslöst, welches beruhigend und stressreduzierend wirkt und dabei hilft, belastende Situationen besser zu bewältigen.

Wichtig: die positive Zuwendung sollte als Angebot für den Hund gesehen werden und nicht als Muss oder Zwang - er soll selbst entscheiden können, was er als angenehm empfindet und was nicht.

Hunde benötigen in ängstigenden Situationen vor allem ein Gefühl der Sicherheit. Aufgeregtes oder hektisches Verhalten unsererseits überträgt sich nämlich auch auf sie (Stimmungsübertragung!), was ihre Angst ungewollt verstärken kann. Deshalb sollten ihre Bezugspersonen diese Sicherheit auch ausstrahlen und möglichst souverän und gelassen agieren (und sie aber auch nicht bemitleiden).

Zudem orientieren sich Hunde bei ihrer Bewertung von Situationen auch an unserem Verhalten.

 

Über Rückzugszonen und was man sonst noch machen kann

- Bei Gewitter sollten die Fenster und Rollos am besten komplett geschlossen sein, um den Lärm zu mindern bzw. das Wahrnehmen von Lichtblitzen zu verhindern.

- Das Anbieten einer Rückzugsmöglichkeit (z. B. Zufluchtsort bzw. einer Versteckmöglichkeit wie eine Box oder selbstgestaltete Decken-Höhle) bzw. einem "sicheren Ort" (der idealerweise schon vorher als Sicherheitszone mit dem Hund ausreichend geübt, mit Entspannung verknüpft und etabliert wurde!).

Vielen Hunden hilft es auch sich in einem gekachelten Raum (z. B. Badezimmer) aufzuhalten (wegen der geringeren elektrostatischen Aufladung).

- Durch das Abspielen von Musik kann der Unwetter-Lärm von draußen verringert bzw. überlagert werden. Entspannend wirkt z.B. erwiesenermaßen klassische Klaviermusik, welche einen beruhigenden Effekt auf Hunde hat.

- Weitere Entspannung können (vorher konditionierte) Entspannungsdüfte oder (ebenfalls vorher erprobte) sanfte Entspannungsmassagen bewirken.

- Beschäftigungsangebote mit Futter, z. B. einfache Leckerliespiele oder das Anbieten eines mit Futter gefüllten Kongs oder Kausachen wie getrockneter Pansen o. ä. wirken beruhigend und er kann sich dabei auch abreagieren. Außerdem geben sie dem Hund eine Aufgabe mit der er sich beschäftigen kann, wodurch sich seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes konzentriert. Wenn der Hund aber kein Futter (mehr) nehmen kann, ist sein Stresslevel vermutlich schon zu hoch.

- Sehr hilfreich können auch unterstützende Hilfsmittel wie das Thundershirt oder Tellington Touch-Körperbänder sein (welche dem Hund aber ebenfalls vorher bekannt sein sollten) - diese üben beim Tragen einen leichten Druck auf den Körper des Hundes aus, wodurch Oxytocin ausgeschüttet wird. Dies hat eine beruhigende Wirkung auf den Hund (siehe auch weiter oben im Text).

 

Unterstützung aus dem Bereich der Medizin, Pflanzen und Co

- Produkte, die eine künstliche Nachbildung von Pheromonen enthalten, wie z. B. "Adaptil" bzw. ehemals "D.A.P." (= Dog Appeasing Pheromone), können ebenfalls beruhigend auf Hunde wirken.

Pheromone werden in der Natur von der Mutterhündin nach der Geburt am Gesäuge gebildet, was die Welpen emotional stabilisiert und beruhigt.

Erhältlich sind die Pheromone als elektrischer Zerstäuber für die Steckdose oder als Spray (wodurch die für uns geruchlosen Pheromone in die Luft freigesetzt werden). 

- Hat der Hund stärkere Ängste, so kann er mit Nahrungsergänzungsmitteln oder Pflanzenpräparaten unterstützt werden - kompetente Hundetrainer (siehe u. a. Trainerliste von Trainer statt Dominieren) oder Tierärzte können euch hierzu beraten.

Bei sehr starken Ängsten kann ein (verhaltenstherapeutischer) Tierarzt auch ein passendes beruhigendes Medikament für eine kurzzeitige Einnahme verordnen. Wichtig ist hierbei aber, dass dieses Medikament vorher ausprobiert wurde (Probelauf), um die Wirkung und die notwendige Dosis zu testen, damit der Einsatz im Ernstfall dann auch klappt. Keinesfalls (!) sollte aber ein Präparat mit dem Wirkstoff Acepromazin (z. B. "Vetranquil" oder "Sedalin") verwendet werden, welches den Hund äußerlich zwar ruhig (= sediert) zeigt, aber das Geräuschempfinden bzw. die damit verbundene Angst aber keinesfalls vermindert!

 

Was man sonst noch beachten sollte und was man trainieren kann

- Gewitterängstliche Hunde sollten bei einem Gewitter unbedingt an der Leine bleiben! Durch ein plötzliches Donnern können sich Hunde sehr stark erschrecken und panisch davonlaufen. Erst vor zwei Tagen ist deshalb hier in der Gegend ein Hund, welcher in blinder Panik weggelaufen war, überfahren worden...

- Neben diesen Notfall-Maßnahmen sollte man mit seinem Hund aber auch im Alltag unbedingt Bewältigungsstrategien einüben, die ihm im Ernstfall helfen sollen, die angstauslösenden Situationen von selbst besser bewältigen zu können.

- Eine Gewöhnung des Hundes an Gewitter ist sehr schwer machbar, da hierbei die verschiedenen Bestandteile des Gewitters eine Rolle spielen (atmosphärische Spannungen, Wind, (starker) Regen, Blitze, Donnergrollen usw.). Kein Gewitter ist gleich und wir wissen nicht, welcher Reiz in welcher Stärke auf den Hund einwirkt. Und wir können leider nicht bzw. nur schlecht an den einzelnen Komponenten arbeiten, da sie ja meist zusammen auftreten und wir auch die Stärke nicht kontrollieren können.

Mit gezieltem Training (z. B. mit Gewitter-Geräusch-CDs) können aber angstauslösende Geräusche, wie dem Donner, desensibilisiert - also Schritt für Schritt der Schrecken genommen werden. Lasst euch hierfür am besten von einem guten Hundetrainer beraten und im Training unterstützen.

 

 

Wir wünschen euch und euren Hunden in diesem Sinne eine möglichst gewitterfreie Zeit!